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Mein Spielbericht: SV Darmstadt 98 – VfL Osnabrück 1:0 [MS]

Spielbericht: Kampfspiel im Keller zwischen Blau-Weiß und Lila-Weiß

Moin nach Osnabrück, bei uns in Darmstadt sagt man „Gude“!

Nette Menschen aus Osnabrück haben mich im Vorfeld der Partie gefragt, ob ich einen Spielbericht schreiben würde. Klar, als Fan- und Förderabteilung des SV 98, deren Abteilungsleiter ich bin, haben wir auch – wenn nicht gerade Pandemie-Zeiten sind – Berichtsformate vor und nach den Spielen und lassen dabei gerne Fanvertreter*innen unserer Gegnerteams zu Wort kommen. Denn auch wenn uns die Farben trennen, eint uns die Leidenschaft am Spiel, die Aufgaben rund um das, was man landläufig „Fankultur“ nennt, sind an allen Standorten ja auch irgendwo ähnlich. Aktuell verbindet uns zusätzlich, dass wir nicht dabei sein können, in den Stadien. Deshalb ist bei uns das Format gerade etwas eingeschlafen… Viele sprechen von „Entfremdung“ vom Profifußball. Auf der übergeordneten Ebene nehme ich das auch so wahr, diese Wahnsinnsgelder sind einfach absurd, aber die Sehnsucht, wieder Zeit mit seinen Leuten im eigenen „Wohnzimmer“ verbringen zu können, ist schon auch groß. Komische Zeiten.

So, nun also zum Bericht. Ein Bericht zur siebten Niederlage in Folge Eures VfL, und ich frage mich gerade, ob zu so einem Spiel überhaupt jemand einen Bericht lesen will. Zumal auch noch vom Gegner, der in einem „Kampfspiel“ (unser Coach Anfang auf der PK) das glücklichere Ende für sich hatte. Es gäbe jetzt viele Ansätze, wie ich diesen Text aufziehen könnte, doch was soll ich Euch erzählen? Über meine Wahrnehmung dieses speziellen Spiels und dass uns unser Goalie in der zweiten Halbzeit dreimal den Hintern gerettet hat? Über meine Sicht und Erlebnisse bei Spielen gegen den VfL? Klar, ich könnte darüber sprechen, dass Ihr im Sommer 2011 unsere ersten Gäste wart, nachdem nach knapp 20 Jahren wieder auf der deutschlandweiten Bühne der 3. Liga aufgetaucht sind (Ihr habt 1:0 gewonnen, Ihr kennt noch Fouad Idabdelhay…?). Dass Ihr uns an der Bremer Brücke in den letzten Jahren zweimal 4 Dinger eingeschenkt habt und einmal in der Nachspielzeit Marcus Piossek nach eigener Ecke den entscheidenden Treffer durch einen Konter? Mann, war ich frustriert… Dass mein letzter eigener Besuch am Bölle das 2:2 gegen Euch war vor gut einem Jahr am 02.02.2020? Damals besuchten mich Thomas und Ralf von Euch, wir liefen ein letztes Mal durch unsere Haupttribüne. Die ist inzwischen Geschichte und danach kam Corona…

Ich brauch Euch nicht zu erzählen, wie das ist, wenn man ein paar Spiele lang die Seuche am Fuß hat. Ihr habt ja mitbekommen, dass unser Start in das Jahr 2021 jetzt auch nicht so überragend war. 4 Niederlagen am Stück und eine erste Februar-Woche, die so auch sicherlich in die Annalen eingehen wird mit Gegentor in Minute 90+7, verlorenem Elferschießen im Pokal und einem unfassbaren Eigentor in der Nachspielzeit daheim gegen Nürnberg.

Wenn zwei Teams aufeinandertreffen, deren jeweiliges Selbstvertrauen gerade den Außentemperaturen entspricht, kommt eben so ein Spiel wie heute dabei raus. Viel Kampf, viel Wille, wenig Mut, wenig Geplantes – und dann macht ein Team den Fehler und dann fällt das Tor. Und die Mannschaft, die führt, schmeißt sich in alles und hat dann auch im Verbund mit dem Aluminium das Glück auf seiner Seite, während die andere hinterherläuft und immer mehr verzweifelt.

Wenn Ihr bis hierhin gelesen habt, kann ich Euch gerne noch erzählen, wie ich das Spiel verfolgt hab. Daheim bei mir, ich wohne in Würzburg (ca. 500 Meter von der roten Laterne entfernt), jobbedingt, auf dem Schaukelstuhl mit Wärmflasche und Decke. Vor mir den Laptop mit dem Liveticker (der ist 40 Sekunden schneller als Sky) und das Handy mit dem Stream. Normalerweise bin ich nicht bereit, für die Spiele zu zahlen, da bin ich zu sehr Kurven-Fan. Aber einen Bericht schreiben, so ganz ohne bewegte Bilder gesehen zu haben, puh, auch schwierig. Nicht im Stadion zu sein während der Spiele macht mich fertig. Ich kann nichts beeinflussen. Nichts, gar nichts. Ich kann nicht schreien, nicht jubeln, nicht genervt aufstöhnen, nicht mit meinen Nebenmenschen diskutieren, nicht vorher oder nachher mit Menschen des Vereins schwätzen, nicht das Gefühl haben, einen Unterschied zu machen. Einfluss gleich null. Es „geschieht“ mit Dir und Du bist völlig hilflos. Das hat in den letzten Wochen schon dazu geführt, dass ich teilweise das Handy einfach während der Spiele ausgemacht habe, um nicht schon wieder ein frustrierendes „Bing“ zu hören, spazieren gegangen bin, oder mit meiner 5-Jährigen eine Schneeburg gebaut habe. Ich weiß da sonst ganz wenig mit mir anzufangen, bin in dieser Zeit kein guter Umgang für mein Umfeld und völlig irrational angespannt, als ob das irgendwas bringen würde. Geht manchen von Euch vielleicht auch so. Ich fühl mich dann manchmal als „schlechter Fan“, als einer, der es nicht mehr packt, auch in „schwierigen Zeiten“ zu seiner Mannschaft zu halten. Aber ich kann halt nix tun. Dann kann ich im Prinzip auch einfach nach Abpfiff das Ergebnis zur Kenntnis nehmen. Tut weniger weh, wenn es mies gelaufen ist, weil man es ja „vorher eh gewusst hat“ oder man ist dann halt doch mal positiv überrascht. Letzteres geschah in jüngerer Vergangenheit eher selten… Und die reine Schreierei auf dem Platz zu verfolgen, ist ziemlich schwer erträglich… Heute dann also Schaukelstuhl und viel Gezitter trotz Wärmflasche. Nach Abpfiff brauch ich erst mal 10 Minuten, bis das Adrenalin wieder runter ist.

Ich weiß, das alles hilft Euch gerade überhaupt nicht. Das, was ich mir bei so Serien immer wieder sage: Jede Niederlage fühlt sich übel an. Aber das Einzige, was dieses Gefühl vertreiben kann, ist der Glaube, dass man es im nächsten Spiel selbst regeln kann. Enttäuschung, Hoffnung und dann eben entweder wieder Enttäuschung oder doch sowas wie Erleichterung. Der Wellengangaus Emotionen. Das, was, wenn wir ehrlich sind, der Grund für unsere Leidenschaft an diesem mal grausamen und mal wunderbaren Sport ist. Die Welt des Fußballs besteht zu einem so hohen Prozentsatz aus Psychologie. Du verlierst Spiele und allen ist klar, dass Du absteigst. Du gewinnst Spiele und alle träumen vom Aufstieg. Der Mensch lebt halt im Moment. Auch Ihr werdet nicht bei den 22 Punkten stehen bleiben, wir hoffentlich nicht bei den 25. Es sind noch 13 Spiele in dieser Saison, mindestens. 13 Chancen, es zu erzwingen. Auf die nächsten Wellengänge zwischen uns in der Saison 21/22! Gude!

Mein Spielbericht: Mach mit!

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